Samstag, 1. Dezember 2012

The End of Novembre

Alle Jahre wieder denkt man, dass der November als Monat kaum kommen mag und kann es nicht erwarten, bis es dann endlich soweit ist. Dem Ende des Oktober fiebert man deshalb immer wieder mit klopfendem Herzen entgegen, weil sie dann beginnt:

Die schönste Zeit des Jahres, die Zeit des National Novel Writing Month - des NaNoWriMo!

Schlag Zwölf starten Hunderttausende Schreibwillige über den ganzen Globus verteilt in den Kampf gegen die literarische Hydra mit den 50 000 Köpfen, den feuerspeienden Drachen mit 50 000 eisenharten Schuppen, die Supernova mit 50 000 Grad Hitze, den vielarmigen Kraken in 50 000 Meilen unter dem Meer, die frankensteinsche Kreatur mit den 50 000 Volt oder die unschlagbare Armee der 50 000 Plotbunnys.

Und wer wird am Ende gewinnen, ob man es glauben mag oder nicht: Natürlich all die NaNoisten weltweit, selbst in dem Fall, wenn sie ihr Manuskript nicht fertigbekommen haben sollten. Ganz gleich, welche Gründe dafür eine Rolle gespielt haben mögen. Ob es an den schwachen Protagonisten, deren zahnlosen Gegnern oder ihren harmlosen Helfershelfern lag; die Handlung nicht genug Stoff hergab, es an der Vorplanung mangelte oder sie einfach mittendrin zum Schreiben zu müde geworden waren.  Trotz all dieser Punkte, die einen zum Scheitern verurteilt haben konnten, haben sich doch alle bemüht so gut sie konnten. Schrieben zusammen an die abermilliarden Wörter in den unterschiedlichsten Genres zumeist mit- und vielerorts sogar nebeneinander in einer der vielen Gruppen. Man half sich, feuerte sich gegenseitig an und inspirierte sich bis zum geht nicht mehr. Eine Fantastillion Kampfgefährten, Weltraumpiloten, Liebende, Monster, Recken, Wissenschaftler, Tiere, Ärzte, Piraten, Dinosaurier und nicht zu vergessen Ninjas, die zusammen den faszinierendsten Monat des Jahres regelrecht zelebrierten - friedlich, neidlos und freundschaftlich. Eben so, wie es sich unter gepflegten NaNoisten gebührt.

Immer voran schreibend, stockend, fluchend, verzweifelnd, Haare raufend, helfend, motivierend und schließlich siegend. Weil man nicht aufgab, immer wieder aufstand und immer weiter rackerte, auch wenn man mehr als einmal glaubte, es hinwerfen zu wollen. Sich zu verkriechen und niemals mehr wieder einen Stift schwingend, eine Tastatur mit den Fingern bearbeitend oder Hammer und Meißel nutzend, um ein Stück Text zu schaffen, das andere später einmal gerne lesen mögen.

Natürlich hat man manches in diesem Monat vernachlässigt: Die Frau, die Kinder, die restliche Familie, die Freunde*, die Haustiere, den Fernseher, das Auto, Essen und Trinken, den eigenen Schlaf und die vielen anderen Hobbys, die man so hat. Ach ja, da war doch noch was - die Arbeit natürlich!

Wie konnte man die in dieser Aufzählung denn nur vergessen? * verschmitzt schau *

Und doch hat es sich auch gelohnt, wie man genauso leicht feststellen kann: Man machte sich bekannt, solidarisierte sich und freundete sich sogar bisweilen an. Also, alles durchaus positive Dinge, die man eigentlich so nur im National Novel Writing Month erlebt. Genauso wie die negative Variante davon, in der man ständig von wildfremden Menschen an den unterschiedlichsten Plätzen darauf angesprochen wurde, was man denn da eigentlich täte. Und auf die Aussage hin, dass man an einem Romanmanuskript schriebe, mit großen Augen für verrückt erklärt wurde.

Doch auch das hinderte einen nicht daran, am Ende der Strecke dieses großen Write-a-tons mit schweißnassem Shirt, verkrampften Waden und breiter Brust, das Zielband zu zerreißen und allen Ortes Jubel aufbranden zu hören, den man sich hundertprozentig verdient hatte.

Nun musste man nur noch gemächlich die Arme ausschütteln, die Muskeln lockern und tief und lang ein- und ausatmen. Nach und nach flaute der Schmerz wieder ab, bevor man spürte, wie es in einem zu gären und zu brodeln begann. Zuerst leicht, dann stark und schließlich immer stärker, bis man dachte, vor Stolz über die eigene Leistung platzen zu müssen.
Immer wieder kamen einem Bilder in den Kopf, die Ausschnitte aus dem eigenen Schreiben widerspiegelten, die man "bloß" auf Papier, in ein Heft oder den eigenen Monitor verewigt hatte. Sie mögen in ihrer Menge im ersten Moment für den Einzelnen vielleicht wenig erscheinen, ...

... aber nach hinten raus in der Masse für alle Mann ganz sicher enorm viel bedeuten.

Also, falls sich nun der ein oder andere, der diesen Beitrag gelesen hat, befleißigt fühlt, bei diesem weltweiten Schreibereignis einfach mitmachen zu wollen, so wird das schlicht und ergreifend eine längere Zeit nicht möglich sein.

Warum?

Na, weil das erst in 334 Tagen erst wieder möglich sein wird - also am 31. Oktober 2013!

Schade?

Tja, da hilft dann nur eines, nämlich diesen Tag mit einem ganz großen, roten Kreuz im Kalender zu versehen. Nicht wahr?


Also, viele liebe Grüße von hieraus

Bernar LeSton


* allerdings nur die Nichtschreibenden, sorry!


© Bernar LeSton in Rüsselsheim, den 30. NaNovember 2012

Kommentare:

  1. dem stimme ich ohne weitere Worte einfach mal zu erstens, weil es stimmt und zweitens der Kater auf der Tastatur liegt... auf viele weitere Worte!
    *prost!*

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    1. Danke, liebe Karina, den ohne euch NaNoisten und Camper, wäre der NaNovember nur ein Monat wie jeder andere.
      *prost zurück!*

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  2. Wenn jemand gar nicht warten kann, kann er/sie sich ja auch fürs Camp anmelden ;-)

    Der NaNo ... äh ... November war wieder mal ein wundervoller, schreibwütiger, wortreicher Monat - und er wurde noch toller, weil wir ein wirklich gutes Team sind, wir Camper.

    Weiter so!

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    1. Guter Einwurf, wie stets, June Clarence.

      Auf alle NaNoisten und Camper weltweit ...

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  3. Genau, hoch die Tassen! Wie konnte ich den kalten, grauen November nur jemals ohne NaNo überstehen? Und ohne all die warmen Worte unserer Truppe?

    You made my month!

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