Donnerstag, 21. März 2013

Ewiglich schreiben?

Dem ein oder anderen dürfte diese Geschichte ja schon bekannt sein und da sie mir erst kürzlich wieder in den Sinn kam, dachte ich so bei mir: Stell sie doch einfach mal hier ein.

Zugegeben, sie ist schon ein wenig älter, aber ...


Ewiglich schreiben?

"Meine Nase juckt!", dachte Mr. Fullerton und kratzte sich am Kinn. Es ließ nach. Wenige Sekunden später kitzelte ihn sein Grübchen zwischen Mund und Kopfende und er kniff sich in die Nasenspitze. Und siehe da, es gab Ruhe.

Dann zählte er einfach weiter das Geld aus seinem Portemonnaie. Zuerst die Scheine. Bei den Großen fing er an und bei den Kleinen hörte er auf. Dann waren die Münzen dran. Hier verfuhr er genauso. Er schrieb jeden einzelnen Posten haargenau in ein kleines Buch. Es hatte einen grünen Einband und war schon ziemlich vollgeschrieben. Auf jeder Seite stand immer wieder wieviel Geld er, Francis - so hieß Mr. Fullerton mit Vornamen - gezählt hatte. An jedem Tag im Jahr. Vom 1. Januar bis zum 23. Dezember - also auch heute. Und bald, wenn das Jahr um war, bräuchte er wieder ein neues Buch. Er klappte dieses zu und ging zu seiner Schrankwand. Dort standen bereits siebenundzwanzig solcher Büchlein. Sie sahen alle genau gleich aus.

Er kaufte sie immer im gleichen Geschäft. Bei Frott's Schreibwarenhandlung um die Ecke. Direkt daneben lag der Tante Emma-Laden von Margaret Toddle. Mit Emily, seiner Frau, ging er dort immer gemeinsam hin. Nach ihrem Tod unternahm er dies nur mehr alleine und beim darauffolgenden Einkauf ohne sie, brachte er sich damals das erste Büchlein mit …


© Bernar LeSton in Rüsselsheim, den 9. Juni 2011

Kommentare:

  1. Diese Geschichte stimmt mich immer wieder traurig, aber auch nachdenklich. Ich frage mich: Legte er sich dieses Ritual zu, um sich zu beschäftigen? Um seine einsamen Stunden zu füllen? Wir werden es nie erfahren.

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  2. Hey,

    vielen Dank für deinen nachdenklichen Kommentar. Toll, dass die Geschichte dich dazu verleiten konnte, dir über sie Gedanken zu machen. Das war auch ein wenig die Idee, die dahinter steckte.

    Und sei getröstet, mich betrübt sie auch immer mal wieder, wenn ich sie selbst lese.

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  3. Meine ausführliche Meinung zu der Geschichte kennst du ja schon... Traurig und trotzdem irgendwie nicht ganz deprimierend.

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  4. Ganz sicher, wenn ich jetzt noch wüsste, wessen Meinung es war, würde mir das ein kleines bisschen helfen, große/r Unbekannte/r. * zwinker *


    Allzeit vielen Dank

    Bernar

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    1. Meine natürlich :D
      Es sprach die S.
      Da sich der Google-Account und der Robot-Verhinderer offensichtlich weiterhin nicht leiden können, wurde es ein anonymer Kommentar. Bei dem ich dann, ganz anonym, auch noch meinen Namen vergessen habe. Hoppla.

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  5. Ja klar,

    und damit das nicht ewig so weitergeht, ändern wir das mal auf unbestimmte Zeit, ja?

    Danke für's Aufklären und viele liebe Grüße

    Bernar

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