Mittwoch, 3. April 2013

Von Wölfen und Schweinchen


Heute mag ich euch mal eine Geschichte anvertrauen, die sich innerhalb unserer NaNo-Schreibgruppe als Hausaufgabe stellte.

Und deshalb hier der Dank nochmal an die liebe S., ohne deren Aufgabenstellung sicherlich eine derart kuriose Mär wohl niemals-nie-nicht meinem Geist entsprungen wär.


Von Wölfen und Schweinchen

Was geschah …

Hinter den sieben Bergen, fast bei den sieben Zwergen ging die Mär um, dass der große, böse Wolf das Haus der drei kleinen Schweinchen umgepustet hätte und diese fast dabei umgekommen seien. Wären ihnen nicht Gevatter Bär, sowie Fuchs und Hase zu Hilfe gekommen, hätte die ganze Sache wirklich böse enden können. So kamen sie noch einmal mit dem Schrecken davon ...

Nachdem die drei kleinen Schweinchen von ihren heldenhaften Rettern aus den Trümmern des Hauses befreit worden waren, wurden sie von der liebreizenden Reizelieb, einer rattenscharfen Biberdame, wieder auf Vordermann gebracht. Dabei half ihr auch der selbstgebrannte Strohrum von Gevatter Bär, den dieser im Schuppen seines Großvaters aufbewahrte und mitgebracht hatte. Und alsbald sollten die Opfer, wie auch die Zeugen der Tat zu dem Fall befragt werden.

Wen's betraf …

Das fiedelnde Schweinchen wusste dabei nur noch seinen Namen zu nennen und zu berichten, wie ihr Haus plötzlich zu wanken und zu schwanken begonnen hatte, bevor es über ihnen zusammengebrochen war.
Das flötende Schweinchen gab dagegen Erstaunliches zu Protokoll, als es offen bekannte: "Ich lasse lieber einen winkeligen Advokaten sprechen!" Und als dieser dann auf seinen patschenden Flossen herangewackelt gekommen war, gab der folgende Erklärung ab: Sein Mandant sei nur ein Cousin dritten Grades der beiden anderen Schweinchen. Wodurch ein für alle Mal mit dem Märchen aufgeräumt war, dass es sich bei den drei kleinen Hausbewohnern allesamt um Brüder handeln würde. Für den Fall selbst aber hatte dieses Geständnis keinerlei Bedeutung, weshalb sowohl der Aussagende als auch sein Rechtsverdreher, der Pinguin, unbestraft blieben.

Wer's geseh'n …

Als Gevatter Bär später seinen flüssigen Treibstoff wieder aus der feuchten Behausung der liebreizenden Reizelieb holen wollte, traf er dort einen der ermittelnden Beamten, den koffeinabhängigen Mäuserich Max sowie Adebar, den Storch. Dessen Aussage, die dort aufgenommen wurde, hatte wahres Sprengpotenzial, weshalb der Schnüffler rasch mit vor Schreck geweiteten Augen ins Präsidium zurückeilte und auf der Stelle eine Gerichtsverhandlung anberaumt wurde.

Wie verfahr'n …

Dort wurde während des Prozesses, den man jetzt gegen die drei kleinen Schweinchen angestrengt hatte, von einer mit Kaffeeflecken übersäten Seite deren Aussagen laut verlesen. Zwei der Ersthelfer kommentierten das nun gerade erklungen wie folgt:
Der Fuchs sprach, "Wenn sich das so zugetragen haben soll, wie ich es eben hörte …"
"... na dann, gute Nacht!", schloss der Hase.

Wer's getan …

Lautes Gelächter ertönte aus der Ecke, wo sich der große, böse Wolf herumlümmelte. Doch der ehrenwerte Richter N. Acht - Eule von Geburt - unterband dies, ohne mit der Wimper zu zucken. Wie denn auch sonst, hm?
Der Igel, der spitzfindige Verteidiger des Graupelzes, stachelte seinen Klienten sowie die drei Opfer dazu an, stets bei der Wahrheit zu bleiben, auch wenn diese sich vielleicht als schmerzhaft herausstellen konnte.

Wie? Wo?? Was???

Ein Weinen, das von einer der hintersten Bänke kam, unterbrach die Verhandlung im Kreise der Tiere und brachte die Wende in dem verzwickten Fall, der anfänglich alles andere als so aussah. Der kleine Wolf, der dort saß und als Sohn des großen, bösen Wolfs total aus der Art geraten schien, aber wenigstens ein ehrliches Fell hatte, rief erbost und deshalb wenig höflich:
"Mein Vater ist nicht alleine schuld. Die dumme Sau hat auch Dreck am Stecken."
Was zu beweisen wäre, sowohl die Sache mit dem Sau-sein als auch mit dem Dreck am Stecken, wobei das schlaue Schweinchen nämlich gewitzt genug gewesen war, diesen heute gar nicht mitzubringen.

Wie's geurteilt …

Und dank eines brillant geführten Kreuzverhörs, welches die Otter in ihrer Position als Staatsanwalt geschickt mittels der Drohung, ein Stinktier als Sachverständigen in diesem Fall hinzuzuziehen, gelang die Überführung des wahren Täters. Dass dies jenem dennoch stank, lag nicht am Stinktier selbst, welches aufgrund der heftigen Proteste aller während der ganzen Verhandlung vor der offenen Tür zum Gerichtssaal bleiben musste.

Was's hinter die Löffel gab ...

Auf jeden Fall wanderten die drei kleinen Schweinchen ins Zuchthaus, was durchaus wörtlich zu nehmen war und das solange, bis ihnen die Schwarte krachte. Und der große böse Wolf kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Aber nicht nur weil sich Strafen bei ihm schon erwiesenermaßen bewährt hatten.

Warum's gescheh'n ...

Wie die gerissene Schlange plausibel aufklären konnte, hatte das schlaue Schweinchen seine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Adebar hatte als Storch und Betreiber des "Verlorenen Sohnes", Tage zuvor ein Gespräch zwischen Opfer und Tätern belauscht. In diesem ging es um einen Haufen Scheinchen, die den Besitzer wechseln sollten, wenn der Wolf das baufällige Haus der Borstenviecher umblasen würde. Von der Hausratversicherung könnten die Schweinchen dann so viel Zaster herausholen, dass sie sich statt ihres alten und renovierungsbedürftigen Häuschens ein schickes Apartment in der Stadt leisten konnten.

Und die Moral von der Geschichte lautet:

"Versicherungsbetrug versucht doch nun wirklich kein Schwein mehr heute, oder?"


© Bernar LeSton in Rüsselsheim im Mai 2012

Kommentare:

  1. :D Ich sehe gerade: da ist ein Reim in der Einleitung. Nein, wie schön! (Und ich habe ja auch nur dreimal drüberlesen müssen, um es zu bemerken...)
    Ich mag die Geschichte übrigens immer noch. Weil die Handlung so einen unvorhergesehenen Schlenker in eine ganz andere Richtung macht. Hübsch, das! Und konsequent mit all den Tieren zu spielen... sprachen wir nicht grad gestern Abend von sprechenden Tieren? Schön!

    Grüßle
    S.

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    1. Der Reim war, ohne es abfällig zu sagen, doch eher ein Zufallsprodukt . Aber erfreulich, dass er zu gefallen wusste.

      Und nun mag ich mich nicht länger sprachlich hin- und herwinden, sondern schweige mich aus ... dankend!


      Viele liebe Grüße

      Bernar

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  2. Da steht diese Geschichte nun schon seit fast einem Monat auf dem Blog und ich habe sie erst jetzt entdeckt. Ich sollte mich wirklich schämen. *dunkelrot anlauf*

    Ich mag diese ungewöhnliche Geschichte um die drei kleinen Schweinchen sehr. Es ist ein völlig neuer Aspekt auf die Tat des bösen Wolfes.

    Du hast die Geschichte sehr unterhaltsam und vergnüglich geschrieben und ich freue mich jetzt schon auf deine nächsten Beiträge, Bernar.
    Viele liebe Grüße
    Christine

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