Donnerstag, 25. Juni 2015

Aus dem Kabinett des Dr. LeSton ... Zum Ersten!

Nachdem nun endlich alle Vorarbeiten an der Anthologie "Dr. LeStons Kabinett der seltsamen Szenarien" abgeschlossen sind und Peter Emmerich - seines Zeichens mein Verleger - den Druck der Büchlein in Auftrag gegeben hat, beginnt für mich die schönste Zeit nach dem Schreiben von Geschichten: Dem Vortragen bei Lesungen oder dem Lesen lassen durch Euch Leser.

Dazu werde ich die nächsten Tage immer mal wieder hier auf dem Blog kleine Häppchen zum Anregen eures Lesehungers einstellen.


Heute machen wir den Anfang mit dem Beginn der ersten Geschichte aus der oben genannten Kurzgeschichten-Sammlung, die den folgenden Titel trägt:

Ein neuer Anfang

Der Autor hatte sich bereits die ganze Nacht und den halben Tag damit herumgeplagt, nicht zu wissen, was er als Nächstes schreiben sollte.
Plötzlich begannen die Ideen zu sprudeln, die ersten Worte flogen ihm wie von Zauberhand zu und erfreut begann er niederzuschreiben, was ihm in den Sinn kam.
Ein paar Protagonisten klopften munter an seiner Schädeldecke an und er öffnete ihnen bereitwillig Tür und Tor, um sie einzulassen. Ebenso verfuhr er mit den Antagonisten, die gleichsam in Scharen herbeigeeilt kamen und mir nichts dir nichts in seinen Kopf hineinspazierten.
Dort ließen sie sich häuslich nieder und begannen zügig die Gegend zu erkunden. Aber nicht alle Orte, die der Autor erfunden hatte, waren ihnen angenehm genug. So begannen sie, immer mehr an der eigens für sie erschaffenen Welt zu verändern. Da der Schreibende jedoch ein Mensch mit einem regen Interesse an Ruhe war und sich nichts sehnlicher wünschte, als dass sie hier friedlich zusammenleben mochten, sah er großzügig darüber hinweg und schrieb hurtig weiter.
Nach der Einführung der Charaktere, mit der alles begonnen hatte, wrang er sich nun die Handlung aus dem Gehirn und alles schien in bester Ordnung zu sein.
So entwickelte sich die Geschichte prächtig weiter, aber plötzlich war dies den Romanfiguren nicht mehr genug. Jetzt kamen sie damit an, dass alles, was sich ihr Schöpfer vorzustellen in der Lage war, zu sehr an den Haaren herbeigezogen klang. Es war den Herrschaften schlicht und ergreifend zu fantastisch geworden.
Sie wären ja hier nicht bei Jules Verne oder Karl May, erdreisteten sie sich dem Autor erbost mitzuteilen. Und kein einziges neues Detail, welches dieser ihnen andichten wollte, fand nunmehr ihre Zustimmung. Als Ersatz-Passepartout oder Winnetou für Arme würden sie in der Welt der Literatur zurückbleiben, wo jedes Kind sie auslachen oder zumindest als schlechten Witz ansehen würde.
Dies sei nicht das Los, welches ihnen vom Schicksal vorbestimmt sei, riefen sie voller Bitternis.
Nein, nein. Niemals!
Der Schreiber ihrer Geschichten überdachte die Worte der von ihm erschaffenen Figuren. Natürlich war er über ihre Reaktion nicht erfreut, aber konnte er ihnen böse sein?
Nein. Nein. Natürlich nicht!
Und als ihn einige besonders vertrauensvolle Hauptcharaktere zu einem Frieden stiftenden Gespräch in vertrauter Runde mit Kaffee und Kuchen einluden, war er sehr froh darüber. Der Schöpfer der Romanfiguren war von solch offener Art und Weise, wie die vormals murrenden Charaktere nun auf ihn zugingen, völlig ergriffen. Da keimte Hoffnung in ihm auf, obschon er seine Romanfiguren auf immer verloren geglaubt hatte. Flugs verging der Nachmittag in bester Laune mit schmackhaftem Kuchen, Tee oder Kaffee und bei interessanten Gesprächen über spannende Themen.
In der Zwischenzeit brachen die üblen Burschen, die verschrobenen Gestalten und die grobmotorischen Gehilfen der großen Antagonisten die Aktenschränke des Autors auf, die voller Schnapsideen, Vorplanungen und bereits fertiger Charakterbögen waren, und warfen sie allesamt in die Mitte seines Arbeitszimmers. Hasserfüllte Blicke begleiteten die Bewegungen ihres Anführers, als er aus der Innentasche seines Mantels, eine Schachtel Streichhölzer kramte. Dann schüttelte er sie und die wild gewordene Meute um ihn herum schrie und brüllte wegen all des Ramsches, der da vor ihnen lag, vor Abscheu auf.
Der Mann im schwarzen Mantel schob die Schachtel auf, fischte eines der langen Hölzchen heraus und riss es an. Sofort loderte es auf und fiel, begleitet von aufbrandendem Jubel, mitten in den Papierhaufen. Auf der Stelle glimmte es dort und es roch nach verbrannten Seiten. Das Knacken und Knistern, welches den traurigen Moment untermalte, verstärkte die Freude über ihren vermeintlichen Sieg. Doch so einfach, wie die aufmüpfigen Charaktere es sich vorgestellt hatten, war es leider nicht …

*   *   *

Hier müssen wir leider den geplagten Autoren mit seinen ungezogenen Prota- und Antagonistens alleine lassen und abwarten, was sich denn in dessen Arbeitszimmer weiter abspielen wird. Die Auflösung folgt nach weiteren zwei Häppchen, die ihr hier im Morgengrauen am Samstag und zur Geisterstunde in der Nacht von Sonntag auf Montag finden werdet. Dabei wird es sich um die Anfänge der beiden Geschichten "Amouröse Eskapaden" und "Schreibfluss" handeln.

So, nun habe ich Euch aber hoffentlich genug für den Anfang verraten.

*  *  *

Von daher bliebt mir nur zu wünschen, dass ihr Euren Spaß mit den literarischen Appetitanregern habt und ich Eure Geduld nicht zu lange strapaziere.

Beste Grüße

Bernar


Kommentare:

  1. Auch auf die Gefahr hin, hier zweimal zu erscheinen - scheinbar hat es meinen ersten Eintrag spurlos gefressen... bleib ich gleich beim Thema: ein guter Anfang, der mir Appetit auf mehr macht ;) Hallo Bernar, schön, mal wieder von dir zu lesen, weiter so! Liebe Grüße vom täubchen

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  2. Ich seh dich nur einfach, aber sehr gerne, Täubchen. Freue mich elementar über deinen Kommentar und verbleibe ebenfalls mit den besten Grüßen

    Bernar

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